Silhouette einer stehenden Person vor einer helleren zweiten Figur. Oben links die Logos der Diakonie Erzgebirge und Diakonie Marienberg.

Meine Geschichte

Beratung

„Schein oder Sein“

Game over 

Das war's dann, der Job war weg. 
Wie heißt das heute: 'Trennung in gegenseitigem Einvernehmen'. Diese Formulierung hatte ja so seine Vorteile. Sie vermeidet für beide Seiten so 'hässliche' Begriffe wie Kündigung oder gar 'Rauswurf'. Zusätzlich wird das Vorhandensein einer sozialen Verantwortung vorgetäuscht. Im Endeffekt ist es Augenwischerei – ohne Job deutlich weniger Geld, weniger Geld gleich weniger Beachtung, geringe Beachtung bedeutet eingeschränkte gesellschaftliche Aktivitäten und das heißt weniger Kontakte und führt zu einer Art Einsiedelei. 

Was soll's, ich war nun arbeitslos, das erste Mal seit Beginn meines Arbeitslebens vor über 25 Jahren. Irgendwie hat mich das schon tief getroffen. Den Rauswurf musste ich erst verdauen. Zu der Zeit war ja mit Verdauen eh nicht mehr viel bei mir, es ging fast nur noch ums Ertränken. Und ich habe mich damals beim Saufen einfach besser gefühlt, wenn ich einen guten Grund dazu vorschieben konnte–  und wer würde diesen Grund nicht verstehen. Also rein in die Kneipen und den Frust heruntergespült. Irgendwann war alles nicht mehr so schlimm und die Kumpane verstanden mich und beteiligten sich an der Schelte auf die undankbaren, geldgierigen Arbeitgeber, die uns kleine Leute nur ausnutzen. Es tat einfach nur gut. Ernüchterung. Nach einigen dicken Köpfen dämmerte es mir langsam was alles mit dem Job zusammen hing – und – wie sag' ich es meiner Frau, unseren Kindern? 
Bei dem Gedanken meiner Frau zu gestehen, dass ich gefeuert wurde, wurde mir das erste Mal richtig mulmig. Ich, der ich mich als Alleinverdiener und Ernährer aufgebaut hatte und versuchte Vieles zu ermöglichen, der Führungskraft war, hatte versagt – hatte sich selbst ausgebremst. Das war aber nur der Anfang. Die wichtigen finanziellen Fragen kamen alle nach und nach. Wie finanzieren wir unseren Lebensunterhalt, wer bezahlt die Strom- oder Wasserrechnung? Wie geht das mit dem Haus weiter? Woher  nehmen, denn die Belastungen waren nur zu schultern, wenn das Einkommen auch so geblieben wäre. So nach einem Jahr mehrten sich die Mahnungen im Briefkasten, danach die Schreiben der Inkassobüros, gefolgt von Briefen verschiedener Rechtsanwälte bis zu den gelben Briefen vom Gericht. Zum bitteren Ende dann die persönlichen Zustellungen durch den Gerichtsvollzieher. Alles was mit der Post kam, konnte ich ja noch verdrängen. Einfach nicht an den Briefkasten gehen. Der Gang zum Briefkasten erfolgte nur, wenn er drohte überzulaufen und dann nur zu Zeiten, in denen ich alleine war. Dann hatte ich immer noch die Möglichkeit ganz schlimme Briefe verschwinden zu lassen und sie nicht zeigen zu müssen. Aber immer klappte das auch nicht, besonders dann nicht, wenn gedroht wurde Anschlüsse zu sperren oder gar schon das Telefon nicht mehr ging. Diese Momente waren für mich mörderisch, im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Gedanke an Suizid war zu dieser Zeit ein ständiger Begleiter. Was mich abgehalten hatte, waren letztlich nur unsere Kinder. Irgendwo hatte ich keinem Mumm, ihnen, nach dem Tiefschlag eines arbeitslosen Vaters auch noch den Schock eines Selbstmörders zuzumuten.

Gott sei es gedankt, dass ich Kinder habe!
So kam es wie es kommen sollte, Zwangsversteigerung des Hauses, Sitzenbleiben auf  etlichen  tausend  Euro  Schulden,  hinzu  einige  Titel  wegen anderen offenen Forderungen und zur Krönung eine Kontopfändung genau in der Zeit des Umzuges, wo wir das wenige Geld, das wir uns zurück legen konnten, hätten dringend gebrauchen können.  Rollenspiel das keinen Spaß macht. Zurückblickend ist es mir immer noch ein Rätsel, wie ich es geschafft  habe, nach Außen den zufriedenen Menschen zu spielen. Zwar war bekannt, dass ich arbeitslos war, was zwar etwas verwunderte aber in der schwierigen wirtschaftlichen Lage nicht sonderlich auffiel. Hauptsache war, dass der Schein der glücklichen Familie mit eigenem Heim und Garten aufrechterhalten wurde. Über Probleme wurde im Bekanntenkreis nie geredet, besonders nicht bei finanzieller Art oder gar bei persönlichen Krisen. Es galt (und gilt scheinbar immer noch): Was nicht sein kann, was nicht sein darf.  Dieses Spiel hatte ich schnell gelernt. Immer ein freundliches Gesicht machen, dazu Smalltalk über absolut belangloses Zeug. Dabei habe ich mich immer mehr abgeschottet, eine emotionale Mauer aufgebaut, die mich schützen sollte, damit meine Gefühle ja keinem auffallen - damit ich ja nicht aus der Rolle falle. Während dieser Phase wuchs meine Hochachtung von seriösen Schauspieler. Meine Rolle war mir auf den Leib geschrieben und dennoch –  es war nicht meine Lebensrolle. Dieses Abschotten, das Leben in einer selbst erschwindelten Welt, das Braten im eigenen Saft erzeugte zunehmend mehr Druck. Die ständige Selbstkontrolle, gepaart mit der Zukunftsangst und dem gut  gemeinten Verschweigen von Problemen vor meiner Frau, raubten mir den Schlaf. Mein Selbstwert tendierte gegen Null, meine Angst vor dem nächsten Gang zum Briefkasten wurde fast übermächtig. Dazu oder als Folge kamen Selbstvorwürfe und erdrückende Schuldgefühle. Mich an der Zukunft der Kinder versündigt zu haben, war mit das Schlimmste, aber auch Schulden gemacht zu haben, die ich nicht mehr zurückzahlen kann. Zu guter Letzt auch noch der Eindruck gegenüber jedem mein Gesicht verloren zu haben, insbesondere bei ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, Bekannten und Freunden. Im Endeffekt verstärkte sich bei mir die Einsicht, ein Versager zu sein. Mit der Zeit stellte sich eine fortwährende Unruhe ein, die mich zum Beziehungsekel werden ließ. Die Fliege an der Wand reichte, um mich auf die Palme zu bringen und einen Streit vom Zaun zu brechen und abhauen zu können. Dass das nicht lange gut gehen konnte, war mir klar (vielleicht auch gewollt). Mein Ausweg war einfach –  Alkohol – aber es war kein Ausweg es war ein Irrweg.

Offenheit und Ehrlichkeit 
Nach einigen Auseinandersetzungen mit den deutschen Behörden bin ich, zwecks Ausstellung einer P-Konto-Bescheinigung, das erste Mal bei der Schuldnerberatungsstelle gelandet. Wenn ich diese Bescheinigung nicht so dringend benötigt hätte, ich wäre aus Scham und falschem Stolz oder gar Hochmut nie dorthin gegangen. Doch irgendwie war alles anders. Es war keine Behörde, da saß mir eine Frau gegenüber, die mit mir redete und nicht über mich. Mit der ich reden konnte – und, die mir das Gefühl gab mich zu verstehen, mehr noch, die fragte, wie es denn weitergehen sollte. Es gäbe bestimmt noch mehr Probleme und die mir Hilfe anbot. Seltsam, dachte ich, bedankte mich artig und schob es weit von mir weg.  
Bei der Suche nach einer Wohnung erhielt ich dann Hilfe von ganz unerwarteter Seite. Eine ehemalige Kollegin bot diese an und dazu noch ihr offenes Ohr und den ehrlich gemeinten Ratschlag mir Hilfe zu holen – Hilfe bei der Schuldenberatung. Wie es so im Leben ist, suchte ein damals mir noch wenig Bekannter das Gespräch mit mir.  Kein Wischiwaschi, sondern ein Gespräch mit Tiefgang, Offenheit und Ehrlichkeit und dem Rat mit Hilfe der Schuldenberatung aus dem Teufelskreis raus zu kommen. Dazu noch das Angebot einer Beschäftigung, zwar nur auf sehr kleiner Sparflamme, aber es war der berühmte Silberstreifen am Horizont. 

Kampf der Giganten 
Was tun sprach Zeus? Da ich nicht Zeus bin, musste ich selbst entscheiden, was mir wichtig war. Seit langem redete ich wieder intensiv mit meiner Frau und wir beschlossen, gemeinsam den Kontakt zur Schuldenberatung zu suchen und den Weg der Privatinsolvenz zu gehen. Wie so oft im Leben ist das Gehen nicht das Problem, sondern das sich Aufmachen, aufzubrechen und mit offenen Augen, Ohren und einem offenen Herzen in die Zukunft in Angriff zu nehmen. Doch  da  kam  wieder  die  Angst.  Ich sollte -  musste Farbe bekennen –  vor einer Person, die ich überhaupt nicht kannte, musste mir und anderen eingestehen, versagt zu haben, eine gesellschaftliche Last zu sein, einer, der sein eigenes Leben nicht in den Griff bekommen hat und nun auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Hilfe annehmen– angewiesen sein auf andere– sich selbst seine Fehler eingestehen- was Schlimmeres gab es damals nicht für mich. Das alles bedeutete für mich nicht nur eins: Ich verliere mein Gesicht, mein Ansehen (wenn ich jemals eins hatte), mein Selbstwert wäre dann total hin gewesen. Meine Selbstachtung und mein Selbstvertrauen waren ja in der Zeit davor eh schon hin. Muss ich mir das antun– was hätte ich denn davon? Diese Gedanken drehten sich in meinem Kopf, ohne dass ich jemals ein Stück weiter gekommen wäre. Nun hatte ich aber den Termin gemacht und irgendwo traute ich mich auch nicht wieder abzusagen. Irgendwo sagte mir mein Gefühl aber, dass dies
doch eine Möglichkeit zu einem Neuanfang wäre, vielleicht auch die letzte Chance wieder in mehr oder weniger geordnete Bahnen zu kommen. Irgendwann, nach etlichen schlaflosen Nächten und wirren Gedanken auf der Suche nach einem anderen Weg, einem ohne Hürden, ohne das Aufdecken aller Karten und vor allem ohne  sich mit all den belastenden  Mahnungen,  Mahnbescheide und Titel
nochmal zu befassen, hatte das Gefühl doch die Oberhand behalten und ich machte mich auf den Weg. Mit einem verdammt flauen Gefühl im Magen und etwas wackeligen Beinen trat ich dann zum verabredeten Termin an. Die Unsicherheit und die Angst wichen mir nicht von der Seite, ich glaube, das habe ich nur gemeinsam mit meiner Frau durchstehen können. 
Hier bin ich Mensch – hier darf ich's sein. 
Dann kam es ganz anders als erwartet. Das Gespräch drehte sich nicht in erster Linie um die ganzen Schulden, nein, wir standen im Mittelpunkt –  wir mit all unseren Bedenken, Ängsten und Sorgen. Nicht nach dem Motto: 'Es wird alles wieder gut' und 'Das schaffen Sie'. Wir sprachen über mehr, blieben nicht auf   den oberflächlichen Allgemeinplätzen, sondern kam auf Themen, die mich wirklich bewegten und über die ich mich sonst mir keinem austauschen konnte.  Ich durfte meine Gefühle in dieser Situation darlegen, konnte darüber offen reden ohne die Befürchtung, dass ich mich verstellen brauchte.  Endlich mal wieder ehrlich sein zu sich und zu anderen.  Ich konnte seit langer Zeit wieder ich sein, wieder Mensch sein.  -  Momente,  die  nicht bezahlbar sind, die ich dankbar annahm.
Durch die seelische Betreuung, das Wissen, da hört mir jemand zu und redet mit mir, half  mir  die bestehenden  Ängste  zu  überwinden.  Nicht in dem Sinn, dass ich mich nun gut fühlte, weil ich Schulden gemachte hatte die ich nicht mehr bezahlen kann, nein, einfach, dass ich zur Einsicht kommen konnte, dass die Situation schwierig ist, aber auch, dass es einen Weg gibt wieder ins richtige Fahrwasser zu kommen. Auch, dass dieser Weg was  mit Verantwortung gegenüber unseren Kindern zu tun hat und ich  Ihnen  zumindest  nicht  durch  meine  Fehler  eine  Hypothek  auf  ihre  Zukunft hinterlasse, half weiter. Bemerkenswert  war  das  Gespür  meiner  Beraterin  für  Themen,  die  mich  tief  im Inneren  bewegten  und  bewegen.  Diese Tipps und Hilfestellungen waren für mich genauso wichtig, wohltuend und zielführend wie die fachliche Begleitung durch den Dschungel des Verfahrens. Die Privatinsolvenz mit einer solch versierten Lotsin durchzuführen gab mir die Gewissheit, dass wir dies bewältigen können. Wir hatten das große Glück, dass unsere Lotsin uns nicht nur den Verfahrensweg erläuterte, sondern auch meinen Blick immer wieder in Richtung des eigenen 'Ichs' gerichtet hat. Damit war ich nicht mehr nur ein Fall, eine Akte mit einer Nummer, ich hatte das Gefühl als Mensch da sein zu dürfen. Einfach nur Mensch mit all meinen Problemen, Fehlern und kleinen Stärken. Dieses ’Angenommen sein’, der Zuspruch gepaart mit menschlicher Wärme sind in unserer Gesellschaft zur Mangelware geworden! 
Warum? Ein Weiser sagte mal: "Willst du schnelle Erfolge sehen,  so  säe  Weizen; willst du mittelfristig Erfolge erleben, so pflanze Bäume. Willst du ab ständig Erfolge erleben, so arbeite mit Menschen."
Diese zusätzliche Arbeit der BeraterInnen der Schuldenberatung der Diakonie verdient mehr als finanzielle  Anerkennung. Ein aufrichtiges Danke ist das, was ich derzeit geben kann und mit Herzen gebe. 
Hier passt Goethes Wort wirklich hin: "Hier bin ich Mensch– hier darf ich's sein."

Schuldner- und Insolvenzberatung Annaberg-Buchholz

Nadja Bartl
© DiakonieErzgebirge

Nadja Bartl

Porträt einer Person

Annette Koch

Teamleitung

 Annette Weißbach
© DiakonieErzgebirge

Annette Weißbach

Auf dem Bild sieht man einen Weg auf dem Land. Links und rechts vom Weg stehen Holzzäune. Der Weg führt über eine Wiese in Richtung Sonne. Im Hintergrund geht gerade die Sonne auf oder unter. Der Himmel ist blau mit ein paar Wolken. Rechts im Bild steht ein Wegweiser mit mehreren Schildern. Das Bild wirkt ruhig und friedlich – wie ein Neubeginn oder ein Weg in die Zukunft.

Schuldner- und Insolvenzberatung

03733 1434122 03733 1434117
Barbara-Uthmann-Ring 157
09456 Annaberg-Buchholz

Sprechzeiten
Schuldnerberatung

Dienstag 13:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag 8:00 - 12:00 Uhr und 13:00 - 14:00 Uhr
Insolvenzberatung

Dienstag 13:00 - 18:00 Uhr

Schuldner- und Insolvenzberatung Aue-Bad Schlema

Daniel Bach
© DiakonieErzgebirge

Daniel Bach

Schuldenberater

Auf dem Bild sieht man einen Weg auf dem Land. Links und rechts vom Weg stehen Holzzäune. Der Weg führt über eine Wiese in Richtung Sonne. Im Hintergrund geht gerade die Sonne auf oder unter. Der Himmel ist blau mit ein paar Wolken. Rechts im Bild steht ein Wegweiser mit mehreren Schildern. Das Bild wirkt ruhig und friedlich – wie ein Neubeginn oder ein Weg in die Zukunft.

Schuldner- und Insolvenzberatung Bad Schlema

03772 360123 03772 360130
Hohe Straße 5
08280 Aue-Bad Schlema

Sprechzeiten
Schuldnerberatung

Donnerstag 14:00 – 17:30 Uhr
1. Donnerstag im Monat
3. Donnerstag im Monat

Insolvenzberatung

Dienstag 14:00 – 17:30 Uhr

Schuldner- und Insolvenzberatung Marienberg

Drei Mitarbeitende stehen lächelnd nebeneinander im Freien vor grünen Büschen

Die Schuldner- und Insolvenzberatung in Marienberg finden Sie HIER:

www.diakonie-marienberg.de/soziale_dienste_schuldner-_und_insolvenzberatung_de.html

Schuldner- und Insolvenzberatung Stollberg

Sandra Krauß
© DiakonieErzgebirge

Sandra Krauß

Porträt einer Person
© DiakonieErzgebirge

Kerstin Nensel

Auf dem Bild sieht man einen Weg auf dem Land. Links und rechts vom Weg stehen Holzzäune. Der Weg führt über eine Wiese in Richtung Sonne. Im Hintergrund geht gerade die Sonne auf oder unter. Der Himmel ist blau mit ein paar Wolken. Rechts im Bild steht ein Wegweiser mit mehreren Schildern. Das Bild wirkt ruhig und friedlich – wie ein Neubeginn oder ein Weg in die Zukunft.

Schuldner- und Insolvenzberatung Stollberg

037296 29824 037296 920675
Herrenstraße 25 
09366 Stollberg

Sprechzeiten
Schuldner- und Insolvenzberatung

Dienstag 13:00 - 18:00 Uhr

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