Andacht zur Jahreslosung 2026
„Wir sind aus einer lebendigen Tradition innovativ“
Ein Leitsatz unserer Diakonie.
Mir gefällt dieser Satz – ich würde sogar sagen: Das ist mein Lebensmotto. Für mich ist die christliche Tradition lebensfördernd. Der sonntägliche Gottesdienst, die kirchlichen Feste, meine Taufe und Konfirmation, das Abendmahl und auch die Möglichkeit der Beichte und der Vergebung – das sind für mich Traditionen, die ich brauche und weitergeben will. Sie sind in meinen Augen keineswegs verstaubt, sondern lebendig – und sie halten mich am Leben.
Daneben steht aber auch das Neue, das Innovative. Die Ideen, die Bewegung, die Veränderung – ja, auch die Vision. Ich habe das Privileg, unsere neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Werk an den Einführungstagen kennenzulernen und zu begleiten. Dabei lerne ich selbst immer wieder Neues. Gern lasse ich mich darauf ein, wenn Menschen den alten Glauben mit neuen Augen sehen, ihn neu interpretieren. Und es fasziniert mich, wie sich Menschen, die mitunter schon ein reiches Arbeitsleben hinter sich haben, auf die neue Stelle und die neue Situation einlassen – neugierig auf neue Aufgaben, neue Menschen oder eine neue Umgebung.
Innovation braucht Exnovation.
Wer Neues beginnen will, muss Altes loslassen.
Eine Tradition nur deshalb zu behalten, weil es „schon immer so gewesen ist“, wird mich auf Dauer nicht weiterbringen. Erst wenn ich den vertrauten Weg einmal verlasse, kann ich dazulernen. Erst wenn ich loslasse und loslaufe, kann ich zum Ziel kommen. Helfen kann mir dabei einer, der mitgeht. Der mir vertraut – und dem ich vertraue.
„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21,5)
Die Jahreslosung 2026 ermutigt mich, loszugehen. Neues zu denken, Neues zu testen, mich auf das Neue einzulassen. Gott selbst ist es, der mich dazu auffordert. Er wird alles neu machen.
Er selbst, Gott, ist mir vertraut. Er ist für mich der Alte – aber eben auch der Lebendige. Der Wandergefährte, der Weg und das Ziel, die Zukunft. Er lässt mich nicht im Dunkeln. Ich muss nicht blind auf eine ungewisse Zukunft zusteuern. Er sagt: „Siehe, ich mache alles neu.“
Ich darf Schritt für Schritt erkennen, wohin sein Weg mit mir führt.
Der Seher Johannes beschreibt eine Vision:
„Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Er selbst wird bei ihnen wohnen. Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, der Tod wird nicht mehr sein, kein Leid, kein Geschrei, kein Schmerz – denn das Erste ist vergangen.“
(Offenbarung 21,3–4, gekürzt)
Ich erfahre nicht genau, wie diese Zukunft aussieht.
Aber ich erfahre, wie sie nicht aussehen wird.
All die Dinge, die mir oft das Leben schwer machen, werden nicht mehr da sein.
Das lässt mich hoffen, wenn mir die Tränen in den Augen stehen – im Anblick menschlichen Leids.
Das gibt mir Hoffnung am Grab eines lieben Menschen.
Dieses Hoffnungsbild des Johannes macht meinen grauen Alltag bunt.
Es gibt Momente, in denen dies schon hier Wirklichkeit ist. Manche nennen es Glück.
Ich glaube, dass Gott uns für kurze Zeit ein Stück Himmel schenkt.
Dies sehe ich auch in dem Bild zur Jahresslosung. Gottes Glanz trifft in mein Leben.
„Ich komme bald!“ – So verspricht es uns Gott.
Aber auch: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“
„Amen, ja komm – und bleib!“
So möchte ich antworten.
Wir brauchen Dich hier. Dringend.
Friederike Knittel, Diakonische Identität